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Second Victim Österreich

Am 5. Aktionstag Second Victim stand die Medizinische Universität Wien ganz im Zeichen von „Aufmerksamkeit, Austausch und Unterstützung“. Anlässlich des ersten großen fünfjährigen Jubiläums durften wir ein dichtes, informatives und professionelles Programm erleben.

Durch den Tag führte Prof. Dr. Reinhard Strametz, der eigens aus Deutschland angereist war und das Publikum mit Fachwissen, Souveränität und einer erfrischenden Prise Humor begleitete.

Der Rückblick: Woher wir kommen und wohin wir gehen

Den emotionalen Auftakt gestalteten Vereinsgründerin Dr.in Eva Potura und Dr.in Brigitte Ettl (Präsidentin der Österreichischen Plattform Patient:innensicherheit). In ihren Eröffnungsworten blickten beide darauf zurück, wie vor fünf Jahren der Grundstein für den Aktionstag und den Verein Second Victim gelegt wurde.

Es wurde deutlich, wie viel im Bereich Enttabuisierung bereits erreicht wurde – und gleichzeitig, dass noch ein weiter Weg vor uns liegt, um eine lückenlose Unterstützung im System zu verankern.

Lesung aus der „Schmerzambulanz“

Dass das System Krankenhaus ein komplexes Gebinde mit Schwachstellen ist, machte die Schriftstellerin Elena Messner anschließend greifbar. Sie las aus ihrem prämierten Roman „Schmerzambulanz“. Ihre präzise gewählten Worte transportierten eine implizite, tiefgründige Systemkritik aus verschiedenen Perspektiven des Gesundheitswesens und sorgten im Saal für spürbare Resonanz.

Von schnellen Urteilen und neuen Strukturen

Ein Highlight des Vormittags war der Beitrag von Vereinsmitglied Sabine Fürst. Mit ihrem interaktiven Experiment „First stories – second stories“ bezog sie das Publikum aktiv ein. Sie präsentierte ein reales Fallbeispiel zunächst nur als stark verkürzte Zusammenfassung – mit der erwartbaren Folge in einem fehlerintoleranten System: schnelle Schuldzuweisung.

Schritt für Schritt brachte Sabine weitere Details, komplexe Hintergründe und Geschehnisketten ans Licht. Mit jedem neuen Fakt gerieten die vorherigen Meinungen im Saal ins Wanken – ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass Schuldzuschreibung in der Realität nie linear verläuft, sondern sich in einem hochkomplexen Graufeld bewegt.

Wie man Peers in diesem Graufeld strukturell auffangen kann, zeigte Christina Einwögerer. Sie stellte das neue Projekt „Buddy Up“ der GÖG vor. Auch wenn die Initiative noch am Anfang steht, ist das Konzept vielversprechend: systematische Vorgänge und organisatorische Rahmenbedingungen, um Peer-Support in Österreich flächendeckend auszubauen.

Mit positiver Energie und harten Daten in den Nachmittag

Nach der Mittagspause – für deren Catering wir uns herzlich bei der MedUni Wien bedanken – wartete ein echter Energieschub auf die Teilnehmenden. Die „ArtWave Divas“ Jennifer Davison und Bea Robein von Arts for Health Austria, die uns schon beim Symposium begeistert hatten, sangen das Publikum mit ihren kraftvollen Opernstimmen zurück an die Plätze. Bei der gemeinsamen Performance von „Lean on me“ hielt es niemanden mehr still – ein wunderbarer Beweis dafür, wie wichtig Kunst, Musik und Resonanz für unsere mentale Gesundheit sind.

Im Anschluss wurde es wissenschaftlich: Katharina Tscherny präsentierte die brandneuen Daten der SeViD A4-Studie, die sich diesmal spezifisch den Belastungen von Rettungskräften widmet. Die vorgestellten Zahlen unterstreichen, dass psychosoziale Unterstützung kein „Nice-to-have“, sondern überlebenswichtig ist. Die offizielle Publikation der Studie folgt in Kürze.

Aus der Praxis: Peer-Support im Großklinikum

Wie die Implementierung konkret in der Praxis aussieht, berichteten Eva Lehner-Baumgartner und Florian Ettl vom AKH Wien und der MedUni Wien. In einem ehrlichen Vortrag sprachen sie über die Herausforderungen, Ausbildungsprozesse und knappen finanziellen Mittel beim Aufbau von Peer-Support in einer der größten Gesundheitseinrichtungen Europas.

Ihre Kernbotschaft deckt sich mit den langjährigen Erfahrungen des Vereins: Das Fundament für den Erfolg ist eine Führungsebene, die aktiv hinter dem Projekt steht, Prozesse fördert und den Beteiligten keine Steine in den Weg legt. Ein großes Dankeschön an die Führungsebene des AKH und der MedUni für genau diese Unterstützung.

Podiumsdiskussion: Was würden wir unserem früheren „Ich“ sagen?

Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion mit Reinhard Strametz, Eva Potura, Angelika Flynn, Gloria Fuchs und Eva Lehner-Baumgartner. Unter der Leitfrage „Wo waren wir vor fünf Jahren, was würden wir unserem damaligen Ich raten und wo wollen wir in den nächsten fünf Jahren stehen?“ entstand ein inspirierender, interprofessioneller Austausch.

Der 5. Aktionstag hat gezeigt: Die Community wächst, die Evidenz wird dichter und die Stimme der Second Victims wird lauter. Danke an alle, die diesen Tag mitgestaltet haben.

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