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Second Victim Österreich
Forschung & Studien

Online-Bibliothek zum Second-Victim-Phänomen

Wissenschaftliche Grundlagen, Definitionen und weiterführende Literatur rund um Second Victims, Peer Support und Unterstützungsprogramme.

22 kuratierte Einträge in 7 Themenbereichen – Inhalte werden laufend ergänzt.

Worum es geht

Was du hier findest

Das Second-Victim-Phänomen beschreibt Belastungen und Traumata, die Gesundheitsfachkräfte nach einem Fehler oder einem unerwarteten negativen Ausgang in der Patient:innenversorgung erleben können. Neben Patient:innen und Angehörigen können auch Ärzt:innen, Pflegekräfte und anderes medizinisches Personal unter Schuldgefühlen, Stress, Isolation oder psychischer Belastung leiden.

Die Bibliothek sammelt wissenschaftliche Arbeiten von den Grundlagen des Begriffs bis zu aktuellen Studien aus Deutschland und Österreich. Die Liste wird laufend erweitert.

Aktuelle Definition

Als Second Victim gilt jede Fachkraft im Gesundheitswesen, die direkt oder indirekt an einem unerwarteten unerwünschten Patient:innenereignis, einem unbeabsichtigten Fehler in der Gesundheitsversorgung oder einer Patient:innenschädigung beteiligt ist und dadurch selbst beeinträchtigt wird.

Die Definition basiert auf der internationalen konsensbasierten Definition (Vanhaecht et al., 2022) und ihrer deutschsprachigen Übersetzung (Rösner et al., 2024).

Literatur & Studien

Studien und Fachbeiträge im Überblick

Alle Einträge sind nach Themenbereichen sortiert. Externe Links öffnen sich in einem neuen Tab. Fehlt zu einem Eintrag ein gesicherter Volltext-Link, wird das transparent angezeigt.

3 Einträge

Grundlagen und Definition

Begriffsklärung, Konsens-Definitionen und prägende Erstpublikationen zum Second-Victim-Phänomen.

Grundlagen und Definition2024

Second Victim: Übersetzung der internationalen konsensbasierten Definition mittels Delphi-Methode

Rösner, H.; Bushuven, S.; Ettl, B.; Heininger, S.; Hinzmann, D.; Huf, W.; et al.; Strametz, R. · 2024

Deutschsprachige Übersetzung und Konsensfindung zur Definition des Second-Victim-Phänomens.

Grundlagen und Definition2000

Medical error: the second victim

Wu, A. W. · 2000

Grundlegender Artikel, in dem der Begriff „second victim“ erstmals in der medizinischen Literatur geprägt wurde.

Quelle wird ergänzt
Grundlagen und Definition2022

Towards an international definition of the second victim phenomenon

Vanhaecht, K. et al. · 2022

Internationale konsensbasierte Definition des Second-Victim-Phänomens und Zusammenfassung relevanter Forschungsperspektiven.

3 Einträge

Emotionale Auswirkungen

Belastungserleben von Gesundheitsfachkräften nach unerwünschten Ereignissen und Phasen der emotionalen Erholung.

Emotionale Auswirkungen2007

The other side of the coin: the emotional impact of medical errors on practicing physicians

Waterman, A. D. et al. · 2007

Untersuchung der emotionalen Auswirkungen medizinischer Fehler auf Gesundheitsfachkräfte.

Quelle wird ergänzt
Emotionale Auswirkungen2008

Supporting health care workers after medical error: considerations for health care leaders

Andrew, L. B. et al. · 2008

Beschreibt, wie Führungskräfte Unterstützungssysteme für Mitarbeitende nach belastenden Ereignissen entwickeln können.

Emotionale Auswirkungen2009

The natural history of recovery for the healthcare provider „second victim“ after adverse patient events

Scott, S. D. et al. · 2009

Beschreibt den emotionalen Genesungsprozess von Second Victims in mehreren Phasen und die Bedeutung strukturierter Unterstützung.

5 Einträge

Deutschsprachige Forschung

Studien aus Deutschland und dem DACH-Raum zu einzelnen Berufsgruppen sowie validierte Erhebungsinstrumente.

Deutschsprachige Forschung2021

Development and Validation of a German Version of the Second Victim Experience and Support Tool

Strametz, R. et al. · 2021

Entwicklung und Validierung eines deutschsprachigen Instruments zur Erfassung von Second-Victim-Erfahrungen und Unterstützungsbedarfen.

Quelle wird ergänzt
Deutschsprachige Forschung2021

Second-Victim-Phänomen bei jungen deutschen Ärzten (SeViD-I)

Strametz, R. et al. · 2021

Studie zu Häufigkeit, Belastungen und Erholungsdauer bei jungen Ärzt:innen in Deutschland nach traumatisierenden Ereignissen.

Deutschsprachige Forschung2021

Second Victims in der Pflege (SeViD-II)

Strametz, R. et al. · 2021

Untersuchung der besonderen Belastungen von Pflegekräften im Zusammenhang mit dem Second-Victim-Phänomen.

Deutschsprachige Forschung2022

Second Victim Experience and Support Tool – Revised (SVESTR)

Strametz, R. et al. · 2022

Validierung des SVESTR zur Messung von Second-Victim-Erfahrungen und zur Bewertung von Unterstützungsangeboten.

Deutschsprachige Forschung2023

Second Victims among German emergency physicians (SeViD-III)

Marung, H. et al. · 2023

Untersuchung der besonderen Herausforderungen von Notärzt:innen in Deutschland nach belastenden Ereignissen.

3 Einträge

Österreichische Forschung

Forschung zu Prävalenzen und Unterstützungsstrukturen in Österreich – inklusive der SeViD-Reihe und der Arbeit am Programm KoHi.

Österreichische Forschung2023

Second-Victim-Phänomen und Kollegiale Hilfe in einem österreichischen Krankenhaus

Krommer, E. et al. · 2023

Untersuchung des Second-Victim-Phänomens und des Unterstützungssystems KoHi in einem österreichischen Krankenhaus.

Österreichische Forschung2022

Qualitative Forschung zu Belastungen von Intensivpflegepersonal in Vorarlberg

Ganahl, S. et al. · 2022

Qualitative Arbeit aus Vorarlberg zur Belastungssituation und zum Unterstützungsbedarf von Intensivpflegepersonal.

Österreichische Forschungseit 2021

SeViD-Studienreihe Österreich

Verein Second Victim Österreich / WiHelP · seit 2021

Forschungsreihe zu Second Victims in Österreich, unter anderem in Pädiatrie, Pflege, Geburtshilfe, Rettungsdienst und Anästhesie.

4 Einträge

Peer Support und Programme

Konzepte, Leitlinien und ökonomische Effekte strukturierter Peer-Support-Programme im Gesundheitswesen.

Peer Support und Programmeseit 2020

COST ERNST – European Research Network Working on Second Victims

European Research Network Working on Second Victims · seit 2020

Plattform und Guidelines zur Implementierung von Peer-Support-Systemen für Second Victims im europäischen Raum.

Peer Support und Programme2023

Institutional second victim support programs: five-level support model

Seys, D. et al. · 2023

Beschreibt den Aufbau institutioneller Unterstützungsprogramme in fünf aufeinander aufbauenden Stufen.

Peer Support und Programme2025

Peer support saves costs in hospitals

Strametz, R. et al. · 2025

Untersuchung zu wirtschaftlichen Effekten von Peer-Support-Programmen im stationären Sektor.

Peer Support und Programme2024

Economic potential of peer support in German hospitals

Rösner, H. et al. · 2024

Studie zum wirtschaftlichen Potenzial von Peer Support in deutschen Krankenhäusern.

3 Einträge

Organisation und Third Victim

Organisationsperspektive auf Fehler, Third-Victim-Konzept und Zertifizierungsrahmen für Einrichtungen.

Organisation und Third Victim2022

Second and third victims after adverse events

Seys, D. et al. · 2022

Erweitert den Blick auf Second Victims und beschreibt Organisationen als mögliche „Third Victims“ nach schwerwiegenden Ereignissen.

Organisation und Third Victim2025

RESCUE certification framework for health care institutions

Mira, J. J. et al. · 2025

Entwicklung eines Zertifizierungsrahmens für standardisierte Unterstützung von Second Victims in Gesundheitseinrichtungen.

Quelle wird ergänzt
Organisation und Third Victim2025

Key factors for second victim support

Mira, J. J. et al. · 2025

Zusammenfassung zentraler Erfolgsfaktoren für die Unterstützung von Second Victims aus der ERNST-Initiative.

1 Einträge

Überblicksartikel

Einordnungen und Zusammenfassungen rund um das Second-Victim-Phänomen.

Überblicksartikel2025

Second Victim Phänomen: Überblick, Unterstützung und Prävention

Neuhofer, A. · 2025

Überblicksartikel zum Second-Victim-Phänomen, zu Unterstützungsmöglichkeiten und zu Schutzfaktoren.

Quelle wird ergänzt

Hintergrund

Kontext und Forschungsperspektiven

Kurzdarstellungen zu den wichtigsten inhaltlichen Strängen der Second-Victim-Forschung.

Wie alles begann

Im Jahr 2000 prägte Dr. Albert W. Wu in einem Artikel im British Medical Journal erstmals den Begriff „second victim“. Er beschrieb, dass medizinische Fehler nicht nur Patient:innen betreffen, sondern auch Ärzt:innen emotional stark belasten können.

Dieser Beitrag bildete den Ausgangspunkt für die weitere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Fehlerkultur und Unterstützungsstrukturen im Gesundheitswesen.

Die akademische Auseinandersetzung

In den folgenden Jahren wurde das Phänomen aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht. Andrew et al. zeigten 2008 die emotionalen Auswirkungen medizinischer Fehler auf Ärzt:innen und Pflegepersonal und betonten die Notwendigkeit organisierter Unterstützungssysteme.

Scott et al. erweiterten 2009 den Blick auf alle Gesundheitsfachkräfte und beschrieben den emotionalen Genesungsprozess von Second Victims in mehreren Phasen.

Deutschsprachige Forschung

Nach vielen Jahren Forschung im anglo-amerikanischen Raum rückte das Second-Victim-Phänomen ab den 2020er Jahren stärker in den deutschsprachigen Fokus. Strametz et al. entwickelten und validierten einen deutschsprachigen Fragebogen, mit dem Inzidenz und Auswirkungen des Second-Victim-Phänomens erfasst werden können.

Darauf aufbauend entstanden Studien zu unterschiedlichen Berufsgruppen wie Ärzt:innen, Pflegekräften, Notärzt:innen und weiteren Gesundheitsfachkräften.

Österreichische Forschung

In Österreich wurde der Verein Second Victim 2021 gegründet. Seither wird daran gearbeitet, Prävalenzen zu erfassen, Unterstützungsstrukturen zu evaluieren und Awareness für das Thema zu schaffen.

Österreichische Arbeiten – etwa zu KoHi oder zu Intensivpflegepersonal – zeigen den Bedarf an strukturierten Unterstützungsprogrammen.

Peer Support und Unterstützung

Peer Support gilt als eine zentrale Maßnahme nach unerwünschten Ereignissen. Geschulte Kolleg:innen können als erste Ansprechpersonen helfen, Belastungen einzuordnen, Orientierung zu geben und bei Bedarf zu weiterer Unterstützung zu lotsen.

Forschung zeigt, dass strukturierte Peer-Support-Programme sowohl Mitarbeitende entlasten als auch Organisationen stärken können.

Forschungsgeschichte

Wie sich die Forschung entwickelt hat

Vom ersten BMJ-Artikel im Jahr 2000 bis zur österreichischen Forschungspraxis – die wichtigsten Stationen im Überblick.

  1. 2000

    Albert W. Wu prägt den Begriff

    Im British Medical Journal erscheint ein kurzer Artikel, der das Konzept „second victim“ erstmals explizit in die medizinische Literatur einführt.

  2. 2008

    Andrew et al.: emotionale Auswirkungen und Unterstützungssysteme

    Andrew et al. beschreiben die emotionalen Auswirkungen medizinischer Fehler auf Ärzt:innen und Pflegepersonal und zeigen, warum organisierte Unterstützungssysteme in Gesundheitseinrichtungen notwendig sind.

  3. 2009

    Scott et al.: Genesungsprozess in sechs Phasen

    Scott et al. erweitern den Blick auf Mitarbeiter:innen des Gesundheitswesens und beschreiben den emotionalen Genesungsprozess von Second Victims in sechs Phasen.

  4. 2021

    Strametz et al.: deutschsprachiger Fragebogen

    Strametz et al. entwickeln und validieren einen deutschsprachigen Fragebogen zur Erfassung von Second-Victim-Erfahrungen und Unterstützungsbedarfen.

  5. ab 2021

    Forschung zu Berufsgruppen im deutschsprachigen Raum

    Nach der Validierung des Fragebogens folgen Studien zu einzelnen Berufsgruppen, darunter junge Ärzt:innen, Pflegekräfte, Notärzt:innen und weitere Gesundheitsfachkräfte.

  6. ab 2021

    Vereins- und Forschungsarbeit in Österreich

    Der Verein Second Victim wird 2021 in Österreich gegründet. Seither werden Prävalenzen, Unterstützungsstrukturen und Awareness zum Second-Victim-Phänomen in Österreich weiterentwickelt.

Forschung des Vereins

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Die SeViD-Studienreihe und weitere Projekte des Vereins findest du im Bereich „Forschung & Studien“.

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